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Ende einer Begegnung Gedichte von Regine Luczak
ISBN 9783930968183 (ISBN alt: 3930968185) Format 13 x 21 cm, engl. Broschur, 128 Seiten Euro 14,-
Das Ende einer Begegnung
Anderthalb Jahre in Zusammensein; übrig bleiben zwei Bilderrahmen - allein, das heißt leer, ohne Photographien, vielsagende Biographien, nie Ewigkeit, nur ein Teil der Zeit, Begegnung auf dem Lebenszweig
Verwegen
Also, diese Nacht, die müsste unser sein, ganz gleichgültig wie der Abend verlaufen ist, mit - ohne Romantik, pur oder mit Kerzenlicht, unabhängig von Morgen oder dem was schon geschehen ist.
Einfach die Tür ins Schloss fallen lassen, sich schon auf dem Flur berühren, anfassen, mit langsamem Streicheln den Weg zu finden, sich vor dem Bett in einem Kuss zu binden.
Die Hände wandern in das Hemd, berühren Haut, finden einen Pfad zum Hals, entblättern Kleidung, fast geräuschlos, alles noch zart - besinnlich - gar nicht laut.
Viele Arten von Küssen decken den Oberkörper ein, finden ihren Weg zur Taille hin, eine Hand öffnet den Hosenknopf - zwei schieben und ziehn, erotische Berührungen am Bein.
Der andere verschwimmt - gibt kein Bild, Atem und Herzschlag werden schneller, Empfindung nur warmer weicher Hülle, anfängliches Kribbeln steigert sich beharrlich wild.
Die Unruhe des andern steigert die Erwartung, noch immer leicht gehemmt - bis einer sich fallen lässt
Umbringen
Umbringen möchte ich dich mit meinen Händen, mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, Augen, Haare, Nägel, Füße, Beine, sogar Bauch, wie eine Schlange um dich winden - dein Atem geraubt.
Erwürgen mit Gedanken, erdrosseln mit Phantasie, verhüllen mit der Wucht aller Zärtlichkeit, erschlagen mit Zuneigung, erstechen mit Vertrauen, strangulieren mittels Streicheleien, erhängen an dem Ast der Lust, auffressen mit den Augen, verschlingen mit feuchter Haut, erschießen mit jeder Bewegung der Arme, zerschneiden mit den Körperhärchen, ersticken mit wilden Wortspielereien, und dann - so gestorben, begrabe ich dich unter der Last der ganzen Liebe!
Verbindung
Lösen möchte ich mich von dir, mein Leben gehört doch eigentlich mir, trotz Freiheitsstreben und Verwirklichungsdrang bin ich zu feige und ziehe mit dir am selben Strang.
Jahre haben wir zusammen überschritten, Erlebnisse geteilt, wie mit keinem Dritten, manche mehr recht als schlecht, und ehrlich sind wir gewesen, ohne jedes Gefecht.
Wohin aber sind wir gekommen? - einer hat dem anderen neue Chancen genommen, nur aus Gewohnheit und angstgeschriebener Einsamkeit, trotzdem haben wir uns immer weiter entzweit.
Ein um das andere Gespräch findet sein Ende, noch mehr Stille, Hoffnungslosigkeit, entfernt jeder Wende, Suche nach einem guten Grunde für einen Schlussstrich, und Sonntags sitzen wir wie nichts am selben Tisch.
Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit, diese Säulen halten - doch bis in Ewigkeit? Nicht nur mir sondern uns beiden fehlt die Liebe, Spannung, Lust, sogar Leiden.
Diese Ausweglosigkeit frisst meine Seele auf, nimmt uns beiden Kraft für einen neuen Lebenslauf, allein der Gedanke schmerzt, gleich einer Entbindung, aber Vergangenheit ist kein Grund für eine dauernde Verbindung.
Regine Luczak ist Juristin und Schriftstellerin und lebt in München.
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