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VERSENGELD Arbeiten und Gedanken von Erwin Echternacht
Umschlaggestaltung: Joachim Lotsch unter Verwendung einer Photographie von Klaus Kindermann. Photographien von Bildern und Skulpturen des Künstlers im Innenteil: Klaus Kindermann
ISBN 9783930968046 (ISBN alt: 3930968045) Format 21 x 21 cm; broschiert; 160 Seiten; 480 g 14,- Euro
“’Nein!’ Das war der Widerborst. ‘Ich gebe Fersengeld.’ Gegeben hatte er uns ‘Versengeld’, den Titel seines Buches, die Scheidemünzen seines Schaffens. Nicht für uns gestaltet, für uns niedergeschrieben, eher für sich, mehr jedoch: für die Sache. Für das, was ihn umtreibt, immer umgetrieben hat, seit der bewusste Blick zum ersten Mal auf die waidwunde Welt, ihre gehetzten Geschöpfe, fiel. (...) Erwin Echternacht hält einem Dreivierteljahrhundert den Spiegel vor. (...) Ein Zeugnis, das sich durch die Jahre seines Lebens, sein bildnerisches und sprachliches Schaffen zieht.” (Dr. Inge Leipold, Laubacher Feuilleton)
“Die Stärke der künstlerischen Aussage liegt zweifelsohne in seinen Plastiken. Der subtile Gedanke kommt bei Echternacht knapp und konzentriert, treffsicher und vieldeutig zum Ausdruck.” (Aloisia Bohn, Süddeutsche Zeitung)
“Gedichte und Skulpturen macht er. Und alles mit unglaublicher Kraft und zugleich - Feinfühligkeit. Er speit die Worte aus wie ein Vulkan, um dann den Hintersinn zu säuseln wie das zarte Meeresrauschen nach der Flut. Desgleichen sind seine Skulpturen, insbesondere die Bronzen, von enormer Wucht, aus schwerem Guss, und zugleich sind sie so zart, dass ich beim Betrachten, beim Befühlen, Gänsehaut bekomme.” (jlo, Laubacher Feuilleton)
auf posten - arlon 1943
des morgens wenn die glocke trostlos heult die sperlinge den kot der straßen pflügen gehn schwarzgewandet menschen eingebeult die augen noch im schlaf zum kreuz und lügen der daunen weiche prägt den zarten schritt das matte fleisch fällt nieder unbefohlen wie fensterscheiben aus verfaultem kitt ob sie sich kraft zu neuen ränken holen? es summt und brummt - ein bienenhaus der düstere chor wie satte drohnen schlummern feiste weiber und schlürfen zügig noch den liebestraum vom bild der aufgebäumten nackten leiber die einst mit jesus christ den tod gefunden an gekreuzten balken - verhöhnt und angespieen angepisst ein lockend mahl für krähen geier und für falken seht diesen priester der im rauche steht ein guter frommer dem das blut gefroren hört wie er hüstelt - röchelt im gebet: “gib herr dass wir dereinst dir nicht verloren” und alle beten wie sie kaffee trinken mit zucker - sahne tüchtig umgerührt ein amen keucht die weihekerzen stinken gott lässt sie gehen - weiß er sich angeführt?
redet
redet die zynische sprache lästert dem sinngehalt kotzt in die almanache eurer hirne asphalt
flügelsenkende geier aus diesigem leichenzenith zeigt euch - ruchlose freier beim brautmahl begattungstopfit
wälzt euch in stinkender suhle - verweigerung dem geschlecht - totes in brühheißer kuhle das beziehungsgeflecht
schweißspur auf aschigem acker aufprall aufs paradox das verbale massaker treibsatz der psychischen schocks
für meine tochter
welt mache ich aus pappmaché überwinde meere und fernen kämpfe mit säbel am portepee auf bahnen - hin zu den sternen
ehrenzeichen - den pour le mérite hänge ich selbst mir über gott mit uns - ich zähle profit mein traumreich erfährt keinen stüber
held und krösus zu meiner zeit mein dienstvolk die nonsensegedanken dann noch streiter vorm herrn und bereit zu brechen des himmels schranken
ja ich bin es - ich trage mit stolz das selbstgemachte in händen gläubiger kommt und lasset das holz mir aus dem schädel pfänden
meine kugel rollt rollt und will nicht stehen warte ich noch ein weilchen werden ist - es ist ein vergehen spielt mit dem beispiel der veilchen
sonne kippt und es wippt das meer die mücken verbrennen an lampen meine schatten häuf ich zu ster auf den verladerampen
nehmt diese fracht und schichtet sie auf zu einem scheiterhaufen ich zahle auch noch ein zugeld drauf mich mit der flamme zu taufen
Erwin Echternacht, Jahrgang 1925, studierte an der Landeskunstschule in Mainz und erhielt anschließend ein Atelierstipendium des Landes Rheinland-Pfalz im Künstlerhaus Koblenz-Aderstein. Von 1954 bis 1960 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Anton Hiller. Diplom als Meisterschüler; Akademie- und Wettbewerbspreise; Ausstellungen im In- und Ausland. Als Bildhauer und Dichter lebt er in München.
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